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(2008)

GRÖßERE LEINWÄNDE LÄNGERE HÄLSE

(Off-Text und Text Tableaus)

Stimme 1:
Und jetzt kommt der Film GRÖßERE LEINWÄNDE LÄNGERE HÄLSE. Der Film wurde realisiert von Jos Diegel. Er ist der Réalisateur von unbekannten Filmen, wie SIE, ER UND MAELSTRÖM. Aber um ihn geht es hier eigentlich gar nicht, das tut nicht zur Sache. Es geht um den Film, das Kino und größere Leinwände.

Alle:
GRÖßERE LEINWÄNDE LÄNGERE HÄLSE!

Stimme 1:
Größere Leinwände und längere Hälse werden zur Entfremdung des Menschen beitragen.

Stimme 2:
Wir benötigen keine größeren Leinwände, wir wollen keine längeren Hälse. Alles kann als Leinwand dienen, alles kann das Filmband in einem virtuellen Film ersetzen, der sich nur noch im Kopf abspielt hinter den Augenlidern. Das ist Immersion, Immersion der Wirklichkeit einer noch zu schaffenden Welt.

Stimme 3:
Planetarische Zivilisation!

Stimme 2:
Planetarische Zivilisation!

Stimme 1:
Aber bitte, wenn dies die Zukunft des Kinos sein soll, dann muß die Zukunft des Kinos eben zerstört werden, wie das Kino selbst zerstört worden ist. Und schon wie es bei der Zerstörung des alten Kinos der Fall war, müßen die Forderungen bei der Zerstörung des neuen Kino die gleichen sein.

Stimme 2:
Der Film darf nicht länger reproduziert werden!

Stimme 1:
Wir hungern nach Gefühlen, die befriedigt werden durch billige unaufrichtige Sentimentalität und Aggressivität, von Unterhaltung in Film, Malerei und Musik, die in 30 Sekunden die Erfüllung von Sehnsüchten versprechen.

Stimme 3:
Das Kino war lange genug dem Konsum zum Fraß vorgeworfen.

Stimme 4:
Da Werbung und Propaganda das Primat über dauerhafte Schönheit haben, sind manche Filme möglicherweise nicht zur Präsentation, sondern zur Subversion bestimmt.

Stimme 1:
Der Film um uns den Glauben an die Welt wiederzugeben. Es ist zweifelhaft, daß der Film hierzu ausreichend ist, doch wenn die Welt zu einem schlechten Film geworden ist, an den wir nicht mehr glauben, kann dann nicht ein wahres Kino dazu beitragen, uns Gründe dafür zu liefern, an die Welt zu glauben? Der Preis dafür im Film und auch anderswo bestand stets in der Konfrontation mit dem Wahnsinn.

Stimme 3:
Der Mensch ist das ins Kino gehende Tier.

Stimme 2:
Ich frage mich, was für einen Film macht man in dieser Zeit?

GRÖßERE LEINWÄNDE LÄNGERE HÄLSE

TOILES PLUS GRANDES COUS PLUS LONGES

BIGGER CANVAS LONGER NECKS

PLANETRAISCHE ZIVILISATION… ja und ???

HOLLYWOOD IS A NICE PLACE FOR THE WEEKEND!

Wenn sie das lessen können, haben sie bereits ihren Kopf bewegt.

JETZT bewegen Sie noch ihren Verstand.

Stimme 1:
Die Zukunft des Kinos als ein Medium der Erkenntnis kann nur eine sein, die neue Situationen schafft und die dem Menschen dazu bringt neue Situationen zu schaffen. Der Mensch wird wieder handeln müßen und der Film wird ihm ein Werkzeug sein können und niemals kann es die Zukunft eines schöpferischen Kinos sein Passivität und Klischees zu reproduzieren.

Stimme 4:
Der kinematografische Akt besteht darin, das der Tänzer selbst in den Tanz eintritt, sowie der Tänzer in den Traum.

Stimme 2:
Der Protagonist in diesem Film entdeckt, auf dem Mond glaube ich, den Heimatort aller verlorenen Dinge der Geschichte, aller Dinge, die verloren gingen und nie wieder gefunden wurden. Stell dir vor, wir würden in einem einzigen riesigen Haufen gesammelt all die verlorenen Filmideen sehen.

Stimme 1:
Das große Kino der Agitation, das man niemals gemacht hat. Die Agitation rührt nicht von der Bewußtwerdung her, sondern daher, daß alle, das Volk und seine Herren und selbst die Kamera in Trance versetzt werden, zum tanzen gebracht werden, alles in die Verirrung zu treiben und nicht nur die Grenzen zwischen den Gewalten zu verwischen, sondern auch die privaten Angelegenheiten in das Politische eingehen zu lassen.

Stimme 2:
Ja, das ist eine reichlich langwierige Unternehmung, wie ich zugebe und bei der Bemühung, das Material für Sie Auszugraben, müssen wir unseren Weg auf verschlungene und zweifelhafte Pfade hinablenken, denn so vieles hängt von Dir ab, Deiner Aufmerksamkeit, Deinem Ziel, Deinem Material, Deiner Möglichkeit und so fort. Dennoch hoffe ich, das die Versuche von Vorsachlägen, die im Anschluß an dieses Kapitel diskutiert und illustriert werden etwas Nützliches und Wertvolles bewirken.

Stimme 3:
Haben Sie häufig den Eindruck, in einer auf den Kopf gestellten Welt zu leben, in der die Leute das Gegenteil von dem tun, was sie eigentlich möchten, ihre Zeit damit verbringen, sich zu zerstören und anzubeten, was sie zerstört; Abstraktionen gehorchen und ihnen ihr wirkliches Leben opfern?

Stimme 1:
Charakter ist die elende Verteidigung einer Welt gegen ihr eigenes Elend. Der Ruf die Charakterpanzerungen aufzubrechen, ist ein Ruf die Bedingungen aufzubrechen, gegen die wir Panzerungen errichten.

Stimme 3:
Es gibt keinen revolutionären Film, nur einen revolutionären Gebrauch von ihm.

Stimme 2:
Das politische Moment der Kunst besteht in der Unterbrechung der sensorischen Normalität.

Stimme 4:
Die Kunst selbst zielt auf die Konditionierung eines neuen Bewußtseins ab. Tatsächlich besteht hier kein wesentlicher Unterschied zwischen einem Film und einer Fernsehsendung.

Stimme 2:
Und er ging raus in die Welt und schrie:
Gebt mir einen Körper, gebt mir ein Gehirn.

Stimme 3:
Gebt mir einen Körper! Gebt mir ein Gehirn!

Stimme 1:
Die Welt ist einfach in herrlichen Farben gemalt während sie in ihren ausbreitenden Körpern noch geist- und farblos sind. Die Welkt hofft auf die Besucher, die noch in der Neurose versunken sind.

Stimme 3:
Der Film, der das gesamte Gewicht der Vergangenheit, alle Schöpfungszustände der Welt und die moderne Neurose in seinen

Und der Film schrie:

GEBT MIR EINEN KÖRPER!

Und der Film schrie:

GEBT MIR EIN GEHIRN!

Körper verlegt, der Film, der die Kreativität der Welt aufdeckt, ebenso, wie die neu entstiegenen Farben und die erzeugten, vermehrten Virtualitäten im Gehirn.

Stimme 1:
Und wenn das Kino gegen das Kapital einen Prozess führen muß, dann kann dies nur geschehen innerhalb des Kinos und gegen den Filmemacher Kapitalismus selbst, um ihn auf kinematografische Weise zu besiegen und gegen ihn seine Waffen zu kehren.

Stimme 3:
Die Zeit in der wir leben wirft die sogenannten Ausdrucksmittel, die dazu dienen können den Lauf der Dinge zu beeinflußen über den Haufen.

Stimme 1:
Im Gegensatz zur Werbung, der Kunst, die die Kunst verbirgt, ist Entwendung die Kunst, die ihre eigene Kunst enthüllt. Sie erklärt, wie sie hierherkam und warum sie nicht bleiben kann.

Stimme 2:
Subversion scheint nur aus dem Nichts zu kommen, weil diese Welt ein Nichts ist.

Stimme 4:
Wenn Du einen Film, eine Werbung, ein Gebäude, eine Autostraße entwendest, entmystifizierst Du ihre scheinbare Uneinnehmbarkeit. Für einen Moment beherrscht Du es, es ist nur ein Objekt, nur Technologie.

Stimme 1:
Sobald ein gesellschaftlicher Gegenstand im Widerspruch zu der sozio-ökonomischen Wirklichkeit tritt, öffnet sich ein leerer Raum zwischen der Lebensweise der Menschen und der herrschenden Erklärung der Welt,

die plötzlich auf dem Rückzug ist.

Stimme 2:
Ja willst Du uns denn verarschen? Was für ein Mist!

Stimme 1:
Die Kräfte, die uns unterdrücken wollen, müssen uns erst verstehen und das ist ihr Untergang. Die Unbewußtheit des Spektakels stellt es zu einem gewissen Teil zu unserer Verfügung, so als ob die Städte plötzlich alle uns gehören, wie ein Kind, auf einem Gemälde, das durch die schweigenden Ruinen läuft.

Stimme 2:
Die erste Tugend, die zu pflegen ist heißt Fantasie!

Stimme 1:
Die Utopie entsteht nicht einfach irgendwann. Sie taucht immer dann auf, zu dem Zeitpunkt, an dem die Geschichte aufbricht. Der prophetische Moment des Bruches stellt sich dar, wie eine Entscheidung für das Unmögliche und das Absurde. Es ist unerläßlich für jeden wirklichen Fortschritt.

Stimme 3:
Der prophetische Geist ist der, der alle Werte relativiert.

Stimme 1:
Die Fantasie als Utopie meint nicht das irrationale und das ausschweifende Spiel mit Bildern. Sie ist die Verfügbarkeit des Geistes, der sich weigert, sich in Kader einsperren zu lassen.

Stimme 3:
Kommt es vor, daß Sie sich in Ihrer Haut unwohl fühlen und die herrschenden Verhältnisse sie dazu zwingen ein Rolle zu spielen?

Stimme 1:
Es hat den Anschein, als lebe das politische Kino nicht mehr wie das klassische von der Möglichkeit von Evolution und Revolution, aber von den Unmöglichkeiten.

Stimme 2:
Ich habe aber nicht gewußt, das es unmöglich ist, da habe ich es einfach gemacht.

Ihr seid so erbärmlich, wie eure Filme!

ZUGABE!!! ZUGABE!!! ZUGABE!!!

Stimme 3:
Der Film ist doch nicht durch seinen Inhalt politisch, sondern durch seine Form.

Stimme 1:
Die Besonderheit des politischen Films liegt also nicht in einer neuen Form, aber im Kampf, der auf das Medium selbst zielen muß.

Stimme 2:
Wie lächerlich!

Stimme 3:
Es gibt nichts zu filmen, außer dem Film an sich.

Stimme 2:
Wo ist der Film?! Wo ist denn der Film?! Das ist doch kein Film!

Stimme 3:
Euer Eigensinn, diesen Film zu sehen ist wirklich unbegreiflich.

Stimme 1:
Consumo Ergo Sum.

Stimme 2:
Consumo Ergo Sum. Consumo Ergo Sum!

Stimme 3:
Consumo Ergo Sum

Stimme 4:
Consumo Ergo Sum! Consumo Ergo Sum. Consumo Ergo Sum.

Stimme 4:
Lange Erfahrung hat gezeigt, daß für die Kritik der Ast, auf dem man sitzt, der aufregendste und oft auch der wesentliche Anfang ist.

Stimme 1:
Einen Film machen ohne dabei an das Leben, die Welt und Veränderung zu denken, das ist ungefähr so, als würde man erwarten, daß der Tag gut wird, obwohl man sich am morgen bereits eine Kugel in den Kopf geschossen hat.

Stimme 2:
Viele gute Filmemacher sind gerade dadurch verdorben worden, als sie begonnen haben dämliches Zeug zu erzählen.

Stimme 4:
Wer das Ästhetische nur in der Provinz Kunst sieht, bleibt ästhetisch im Provinzialismus.

Stimme 2:
Treten sie zurück und betrachten sie das Gesamtbild!

Stimme 1:
Sich für die Rechte der Fantasie einzusetzen heißt, gegen alle Formen der Entfremdung zu kämpfen, angefangen von der Entfremdung der Alternativlosigkeit bis hin zur Entfremdung der sogenannten Realismen in der Malerei und im Film durch politisch, moralische oder religiöse Dogmen.

Stimme 3:
Vorstellungskraft ist kein Geschenk. Sie muß erobert werden.

Stimme 1:
Vielleicht mögen uns das die modernen Medien vergessen lassen, es gibt keinen Stillstand. Film ist eine Waffe, die mit Zukunft geladen ist.

Stimme 4:
Es ist alles verloren? Es gibt keine Alternative? Niemand zählt mehr auf die Zukunft? Prima, dann haben wir jetzt alle Freiheit der Welt!

Und nun zur Kritik des Films:
Eigentlich ist er eine Frechheit, an der Narration scheiden sich die Geister, die Bilder sind aus der Form geraten und auch sonst ist er eine Unverschämtheit.

1, 2, 4, 3, 5, 6, 7, 8, 9, 10

Dieser Film endet in 30 Sekunden.

DAS IST NICHT DAS ENDE!

THATS NOT THE END!

CE EST N’EST PAS LA FIN!