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(Off-Text und Text Tableaus)
Stimme 1:
Und jetzt kommt der Film GRÖßERE LEINWÄNDE
LÄNGERE HÄLSE. Der Film wurde realisiert von Jos Diegel. Er
ist der Réalisateur von unbekannten Filmen, wie SIE, ER UND
MAELSTRÖM. Aber um ihn geht es hier eigentlich gar nicht, das
tut nicht zur Sache. Es geht um den Film, das Kino und größere
Leinwände.
Alle:
GRÖßERE LEINWÄNDE LÄNGERE HÄLSE!
Stimme 1:
Größere Leinwände und längere Hälse
werden zur Entfremdung des Menschen beitragen.
Stimme 2:
Wir benötigen keine größeren Leinwände,
wir wollen keine längeren Hälse. Alles kann als Leinwand
dienen, alles kann das Filmband in einem virtuellen Film ersetzen,
der sich nur noch im Kopf abspielt hinter den Augenlidern. Das ist
Immersion, Immersion der Wirklichkeit einer noch zu schaffenden Welt.
Stimme 3:
Planetarische Zivilisation!
Stimme 2:
Planetarische Zivilisation!
Stimme 1:
Aber bitte, wenn dies die Zukunft des Kinos sein soll,
dann muß die Zukunft des Kinos eben zerstört werden, wie
das Kino selbst zerstört worden ist. Und schon wie es bei der
Zerstörung des alten Kinos der Fall war, müßen die
Forderungen bei der Zerstörung des neuen Kino die gleichen sein.
Stimme 2:
Der Film darf nicht länger reproduziert werden!
Stimme 1:
Wir hungern nach Gefühlen, die befriedigt werden
durch billige unaufrichtige Sentimentalität und Aggressivität,
von Unterhaltung in Film, Malerei und Musik, die in 30 Sekunden die
Erfüllung von Sehnsüchten versprechen.
Stimme 3:
Das Kino war lange genug dem Konsum zum Fraß
vorgeworfen.
Stimme 4:
Da Werbung und Propaganda das Primat über
dauerhafte Schönheit haben, sind manche Filme möglicherweise
nicht zur Präsentation, sondern zur Subversion bestimmt.
Stimme 1:
Der Film um uns den Glauben an die Welt wiederzugeben.
Es ist zweifelhaft, daß der Film hierzu ausreichend ist, doch
wenn die Welt zu einem schlechten Film geworden ist, an den wir nicht
mehr glauben, kann dann nicht ein wahres Kino dazu beitragen, uns
Gründe dafür zu liefern, an die Welt zu glauben? Der Preis
dafür im Film und auch anderswo bestand stets in der
Konfrontation mit dem Wahnsinn.
Stimme 3:
Der Mensch ist das ins Kino gehende Tier.
Stimme 2:
Ich frage mich, was für einen Film macht man in
dieser Zeit?
GRÖßERE LEINWÄNDE LÄNGERE HÄLSE
TOILES PLUS GRANDES COUS PLUS LONGES
BIGGER CANVAS LONGER NECKS
PLANETRAISCHE ZIVILISATION… ja und ???
HOLLYWOOD IS A NICE PLACE FOR THE WEEKEND!
Wenn sie das lessen können, haben sie bereits ihren Kopf bewegt.
JETZT bewegen Sie noch ihren Verstand.
Stimme 1:
Die Zukunft des Kinos als ein Medium der Erkenntnis kann
nur eine sein, die neue Situationen schafft und die dem Menschen
dazu bringt neue Situationen zu schaffen. Der Mensch wird wieder
handeln müßen und der Film wird ihm ein Werkzeug sein
können und niemals kann es die Zukunft eines schöpferischen
Kinos sein Passivität und Klischees zu reproduzieren.
Stimme 4:
Der kinematografische Akt besteht darin, das der Tänzer
selbst in den Tanz eintritt, sowie der Tänzer in den Traum.
Stimme 2:
Der Protagonist in diesem Film entdeckt, auf dem Mond
glaube ich, den Heimatort aller verlorenen Dinge der Geschichte,
aller Dinge, die verloren gingen und nie wieder gefunden wurden.
Stell dir vor, wir würden in einem einzigen riesigen Haufen
gesammelt all die verlorenen Filmideen sehen.
Stimme 1:
Das große Kino der Agitation, das man niemals
gemacht hat. Die Agitation rührt nicht von der Bewußtwerdung
her, sondern daher, daß alle, das Volk und seine Herren und
selbst die Kamera in Trance versetzt werden, zum tanzen gebracht
werden, alles in die Verirrung zu treiben und nicht nur die Grenzen
zwischen den Gewalten zu verwischen, sondern auch die privaten
Angelegenheiten in das Politische eingehen zu lassen.
Stimme 2:
Ja, das ist eine reichlich langwierige Unternehmung, wie
ich zugebe und bei der Bemühung, das Material für Sie
Auszugraben, müssen wir unseren Weg auf verschlungene und
zweifelhafte Pfade hinablenken, denn so vieles hängt von Dir ab,
Deiner Aufmerksamkeit, Deinem Ziel, Deinem Material, Deiner
Möglichkeit und so fort. Dennoch hoffe ich, das die Versuche von
Vorsachlägen, die im Anschluß an dieses Kapitel diskutiert
und illustriert werden etwas Nützliches und Wertvolles bewirken.
Stimme 3:
Haben Sie häufig den Eindruck, in einer auf den
Kopf gestellten Welt zu leben, in der die Leute das Gegenteil von dem
tun, was sie eigentlich möchten, ihre Zeit damit verbringen,
sich zu zerstören und anzubeten, was sie zerstört;
Abstraktionen gehorchen und ihnen ihr wirkliches Leben opfern?
Stimme 1:
Charakter ist die elende Verteidigung einer Welt gegen
ihr eigenes Elend. Der Ruf die Charakterpanzerungen aufzubrechen, ist
ein Ruf die Bedingungen aufzubrechen, gegen die wir Panzerungen
errichten.
Stimme 3:
Es gibt keinen revolutionären Film, nur einen
revolutionären Gebrauch von ihm.
Stimme 2:
Das politische Moment der Kunst besteht in der
Unterbrechung der sensorischen Normalität.
Stimme 4:
Die Kunst selbst zielt auf die Konditionierung eines
neuen Bewußtseins ab. Tatsächlich besteht hier kein
wesentlicher Unterschied zwischen einem Film und einer
Fernsehsendung.
Stimme 2:
Und er ging raus in die Welt und schrie:
Gebt mir einen
Körper, gebt mir ein Gehirn.
Stimme 3:
Gebt mir einen Körper! Gebt mir ein Gehirn!
Stimme 1:
Die Welt ist einfach in herrlichen Farben gemalt während
sie in ihren ausbreitenden Körpern noch geist- und farblos sind.
Die Welkt hofft auf die Besucher, die noch in der Neurose versunken
sind.
Stimme 3:
Der Film, der das gesamte Gewicht der Vergangenheit,
alle Schöpfungszustände der Welt und die moderne Neurose in
seinen
Und der Film schrie:
GEBT MIR EINEN KÖRPER!
Und der Film schrie:
GEBT MIR EIN GEHIRN!
Körper verlegt, der Film, der die Kreativität der Welt aufdeckt, ebenso, wie die neu entstiegenen Farben und die erzeugten, vermehrten Virtualitäten im Gehirn.
Stimme 1:
Und wenn das Kino gegen das Kapital einen Prozess führen
muß, dann kann dies nur geschehen innerhalb des Kinos und gegen
den Filmemacher Kapitalismus selbst, um ihn auf kinematografische
Weise zu besiegen und gegen ihn seine Waffen zu kehren.
Stimme 3:
Die Zeit in der wir leben wirft die sogenannten
Ausdrucksmittel, die dazu dienen können den Lauf der Dinge zu
beeinflußen über den Haufen.
Stimme 1:
Im Gegensatz zur Werbung, der Kunst, die die Kunst
verbirgt, ist Entwendung die Kunst, die ihre eigene Kunst enthüllt.
Sie erklärt, wie sie hierherkam und warum sie nicht bleiben
kann.
Stimme 2:
Subversion scheint nur aus dem Nichts zu kommen, weil
diese Welt ein Nichts ist.
Stimme 4:
Wenn Du einen Film, eine Werbung, ein Gebäude, eine
Autostraße entwendest, entmystifizierst Du ihre scheinbare
Uneinnehmbarkeit. Für einen Moment beherrscht Du es, es ist nur
ein Objekt, nur Technologie.
Stimme 1:
Sobald ein gesellschaftlicher Gegenstand im Widerspruch
zu der sozio-ökonomischen Wirklichkeit tritt, öffnet sich
ein leerer Raum zwischen der Lebensweise der Menschen und der
herrschenden Erklärung der Welt,
die plötzlich auf dem Rückzug ist.
Stimme 2:
Ja willst Du uns denn verarschen? Was für ein Mist!
Stimme 1:
Die Kräfte, die uns unterdrücken wollen,
müssen uns erst verstehen und das ist ihr Untergang. Die
Unbewußtheit des Spektakels stellt es zu einem gewissen Teil zu
unserer Verfügung, so als ob die Städte plötzlich alle
uns gehören, wie ein Kind, auf einem Gemälde, das durch die
schweigenden Ruinen läuft.
Stimme 2:
Die erste Tugend, die zu pflegen ist heißt
Fantasie!
Stimme 1:
Die Utopie entsteht nicht einfach irgendwann. Sie taucht
immer dann auf, zu dem Zeitpunkt, an dem die Geschichte aufbricht.
Der prophetische Moment des Bruches stellt sich dar, wie eine
Entscheidung für das Unmögliche und das Absurde. Es ist
unerläßlich für jeden wirklichen Fortschritt.
Stimme 3:
Der prophetische Geist ist der, der alle Werte
relativiert.
Stimme 1:
Die Fantasie als Utopie meint nicht das irrationale und
das ausschweifende Spiel mit Bildern. Sie ist die Verfügbarkeit
des Geistes, der sich weigert, sich in Kader einsperren zu lassen.
Stimme 3:
Kommt es vor, daß Sie sich in Ihrer Haut unwohl
fühlen und die herrschenden Verhältnisse sie dazu zwingen
ein Rolle zu spielen?
Stimme 1:
Es hat den Anschein, als lebe das politische Kino nicht
mehr wie das klassische von der Möglichkeit von Evolution und
Revolution, aber von den Unmöglichkeiten.
Stimme 2:
Ich habe aber nicht gewußt, das es unmöglich
ist, da habe ich es einfach gemacht.
Ihr seid so erbärmlich, wie eure Filme!
ZUGABE!!! ZUGABE!!! ZUGABE!!!
Stimme 3:
Der Film ist doch nicht durch seinen Inhalt politisch,
sondern durch seine Form.
Stimme 1:
Die Besonderheit des politischen Films liegt also nicht
in einer neuen Form, aber im Kampf, der auf das Medium selbst zielen
muß.
Stimme 2:
Wie lächerlich!
Stimme 3:
Es gibt nichts zu filmen, außer dem Film an sich.
Stimme 2:
Wo ist der Film?! Wo ist denn der Film?! Das ist doch
kein Film!
Stimme 3:
Euer Eigensinn, diesen Film zu sehen ist wirklich
unbegreiflich.
Stimme 1:
Consumo Ergo Sum.
Stimme 2:
Consumo Ergo Sum. Consumo Ergo Sum!
Stimme 3:
Consumo Ergo Sum
Stimme 4:
Consumo Ergo Sum! Consumo Ergo Sum. Consumo Ergo Sum.
Stimme 4:
Lange Erfahrung hat gezeigt, daß für die
Kritik der Ast, auf dem man sitzt, der aufregendste und oft auch der
wesentliche Anfang ist.
Stimme 1:
Einen Film machen ohne dabei an das Leben, die Welt und
Veränderung zu denken, das ist ungefähr so, als würde
man erwarten, daß der Tag gut wird, obwohl man sich am morgen
bereits eine Kugel in den Kopf geschossen hat.
Stimme 2:
Viele gute Filmemacher sind gerade dadurch verdorben
worden, als sie begonnen haben dämliches Zeug zu erzählen.
Stimme 4:
Wer das Ästhetische nur in der Provinz Kunst sieht,
bleibt ästhetisch im Provinzialismus.
Stimme 2:
Treten sie zurück und betrachten sie das
Gesamtbild!
Stimme 1:
Sich für die Rechte der Fantasie einzusetzen heißt,
gegen alle Formen der Entfremdung zu kämpfen, angefangen von der
Entfremdung der Alternativlosigkeit bis hin zur Entfremdung der
sogenannten Realismen in der Malerei und im Film durch politisch,
moralische oder religiöse Dogmen.
Stimme 3:
Vorstellungskraft ist kein Geschenk. Sie muß
erobert werden.
Stimme 1:
Vielleicht mögen uns das die modernen Medien
vergessen lassen, es gibt keinen Stillstand. Film ist eine Waffe, die
mit Zukunft geladen ist.
Stimme 4:
Es ist alles verloren? Es gibt keine Alternative?
Niemand zählt mehr auf die Zukunft? Prima, dann haben wir jetzt
alle Freiheit der Welt!
Und nun zur Kritik des Films:
Eigentlich ist er eine Frechheit, an
der Narration scheiden sich die Geister, die Bilder sind aus der Form
geraten und auch sonst ist er eine Unverschämtheit.
1, 2, 4, 3, 5, 6, 7, 8, 9, 10
Dieser Film endet in 30 Sekunden.
DAS IST NICHT DAS ENDE!
THATS NOT THE END!
CE EST N’EST PAS LA FIN!